Festpreis vs. Tagessatz: wer das Schätzrisiko am Bestandscode trägt
Die Pauschale verlagert das Schätzrisiko auf den Auftragnehmer, die Abrechnung nach Aufwand lässt es beim Auftraggeber. An gewachsener Software entscheidet darüber, wie gut der Bestand bekannt ist.
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Die Frage Festpreis vs Tagessatz entscheidet, wer das Schätzrisiko trägt. Bei der Pauschale liegt es beim Auftragnehmer, bei der Abrechnung nach Aufwand beim Auftraggeber. An Software, die seit Jahren im Betrieb ist, hängt die richtige Wahl vor allem davon ab, wie gut der Bestand bekannt ist.
Festpreis vs. Tagessatz: zwei Arten, Risiko zu verteilen
Die Pauschale bindet eine feste Vergütung an einen beschriebenen Umfang. Wird der Aufwand größer als gedacht, geht das zulasten des Auftragnehmers; wird er kleiner, bleibt der Preis. Das setzt voraus, dass sich der Umfang überhaupt beschreiben lässt — und es macht jede Änderung zu einem Nachtrag, der eigens verhandelt wird.
Die Abrechnung nach Aufwand bezahlt geleistete Arbeit. Sie verträgt Richtungswechsel, verlangt vom Auftraggeber aber Steuerung: Wer nicht laufend prüft, was entsteht, merkt erst spät, dass die Reihenfolge nicht zu seinen Zielen passt. Beide Modelle sind unabhängig von der Vertragsform; auch ein Vorhaben nach Aufwand kann ein Werk mit Übergabe sein.
Der unbekannte Bestand als Kostentreiber
Bei einer Anwendung, die schon läuft, steckt die Unsicherheit selten in der neuen Funktion. Sie steckt in dem, was um sie herum bereits existiert:
- Nicht beschriebene Abhängigkeiten. Ein Feld wird an drei Stellen anders ausgewertet, und keine davon ist dokumentiert.
- Datenbestand mit Geschichte. Alte Sätze folgen Regeln, die längst geändert wurden, und kippen jede saubere Annahme.
- Fehlende Absicherung. Ohne automatische Prüfläufe kostet jede Änderung eine Runde manuelles Nachsehen.
- Auslieferung im Takt des Betriebs. Freigabefenster, Schulung der Fachbereiche und Parallelbetrieb sind Aufwand, der im Angebot leicht untergeht.
Wer diese Punkte nicht kennt, kalkuliert einen Aufschlag für das Unbekannte — oder verschiebt ihn auf den Auftraggeber. Beides ist teuer, und beides lässt sich vermeiden, indem man zuerst nachsieht.
Der Weg dorthin ist unspektakulär: Quelltext lesen, die Stellen finden, an denen das betroffene Feld verarbeitet wird, eine Stichprobe des Datenbestands prüfen und mit den Leuten sprechen, die täglich damit arbeiten. Am Ende steht eine Liste von Annahmen mit dem Vermerk, welche davon geprüft und welche geraten sind — und erst daraus wird ein belastbarer Preis.
Festpreis vs. Tagessatz: der Schnitt zwischen Aufnahme und Umbau
Deshalb trennen tragfähige Angebote zwei Abschnitte. Die Aufnahme — Quelltext lesen, Abhängigkeiten kartieren, Datenbestand stichprobenweise prüfen, Prüfrahmen aufsetzen — wird nach Aufwand abgerechnet und endet mit einem Ergebnis, das dem Auftraggeber auch dann bleibt, wenn er danach anders entscheidet.
Der Umbau wird erst danach pauschal angeboten, Etappe für Etappe: ein Modul, eine Schnittstelle, ein mobiler Vorgang, jeweils mit eigenen Kriterien für die Übergabe. Was in diesen Kriterien stehen muss, beschreibt die Abnahme nach § 640 BGB; woraus sie hergeleitet werden, zeigt die Leistungsbeschreibung.
Was eine Abrechnung nach Aufwand im Rahmen hält
Offen abzurechnen ist kein Freibrief. Vier Vereinbarungen halten ein solches Vorhaben im Rahmen, und sie kosten nichts außer Aufmerksamkeit:
- Kostengrenze. Ein Betrag, bei dem gesprochen wird, bevor weitergearbeitet wird.
- Fester Berichtstakt. Was gemacht wurde, was als Nächstes ansteht, wo es klemmt.
- Ergebnisse in Stücken. Nach jedem Abschnitt liegt etwas vor, das für sich nützlich ist.
- Ein Ausstiegspunkt. Ein vereinbarter Moment, an dem beide Seiten ohne Streit aufhören können.
Typische Fehler bei der Wahl
Der häufigste Fehler ist die Pauschale auf eine Beschreibung, die niemand geprüft hat: Sie erzeugt einen Preis, der entweder den Auftragnehmer ruiniert oder das Unbekannte doppelt bezahlt. Der zweithäufigste ist die offene Abrechnung ohne Grenze und ohne Takt — sie beginnt bequem und endet in einer Dauerbaustelle. Verwandt damit ist der Versuch, laufende Weiterentwicklung ohne beschriebenen Gegenstand über Zeit abzurechnen; das verschiebt die Einordnung der Zusammenarbeit und wird beim nächsten Prüftermin zum Thema.
Wie wir Etappen und Preis zusammenbringen
Wir sehen uns den Bestand zuerst nach Aufwand an und geben danach Etappe für Etappe eine feste Zusage ab — jede mit eigenem Liefergegenstand, eigenen Prüfschritten und einer Liste der Funktionen, die unverändert bleiben müssen. So bezahlt niemand einen Aufschlag für Unwissen, und der Zeitrahmen steht im Angebot. Wie das für einen mobilen Kanal zur bestehenden Fachanwendung aussieht, steht auf der Seite App-Entwicklung als zweiter Kanal.
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